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Gesellschaftliche Verantwortung
Kann man es sich als Unternehmer leisten, zu politischen Themen Position zu beziehen? Zu diesem Thema sind mir schon verschiedene Sichtweisen begegnet. Schlussendlich bin ich aber zu dem Ergebnis gekommen, dass das die falsche Frage ist. Im 21. Jahrhundert sollte man es sich nämlich nicht mehr leisten, keine Position dazu zu haben, wenn einen das Thema berührt. Ganz einfach deswegen, weil man so eine haltbarere Vertrauensbasis mit Kunden und Partnern schafft. Aus diesem Grund gibt es heute ausnahmsweise kein technisches Thema, sondern ein gesellschaftliches, welches momentan die ganze Region Stuttgart bewegt: Stuttgart 21.
Auch wenn man versucht, das Ganze möglichst unemotional zu betrachten, fällt es schwer, bei der gegebenen Situation den Bau des Projektes zu befürworten. Die Ablehnung gegen das Projekt hat die Bevölkerung in einem Ausmaß mobilisiert, wie man es vorher in Baden-Württemberg nicht für möglich gehalten hätte. Aber bei allen Differenzen zwischen Gegnern und Befürwortern des Projekts kann man sich wohl über eines einig sein: Die Situation hat sich vor allem deswegen so hochgeschaukelt, weil die verantwortlichen Politiker es versäumt haben, die Bevölkerung rechtzeitig in genügendem Maß in die Planungen mit einzubeziehen.
Für mich stellt sich deshalb die Frage: Wie kann man sich als Unternehmer mit ruhigem Gewissen an einem solchen Projekt beteiligen? Immerhin ist nachhaltiges Wirtschaften mittlerweile in aller Munde. Z.B. beim Naturschutz: Immer häufiger ist man gezwungen, sich zu rechtfertigen, wenn man Holz von Partnern bezieht, die Raubbau an Wäldern betreiben. Wieso soll man es sich also leisten können, Raubbau an der Gesellschaft zu betreiben? Erst in diesem Jahr habe ich es erleben dürfen, dass ein Projekt mit einem Auslandskunden massiv durch schwere Proteste an seinem Geschäftssitz behindert wurden. So weit sollte man es in Deutschland nicht auch kommen lassen. Daher denke ich, dass man als Unternehmer, der vor der Planung eines solchen Projekts steht, seine Verantwortung erkennen sollte und Politikern, die es nicht schaffen, sich den nötigen Rückhalt aus der Bevölkerung zu holen, auch einmal die Zusammenarbeit verweigern sollte, bis diese das Problem gelöst haben.
